PNP 12.03.14: Ärztlicher Bereitschaftsdienst wird immer schwieriger

Veröffentlicht am 15.03.2014 in Gesundheit

Dr. Rudolf Tille informiert in Veranstaltung von SPD/Die Unabhängigen – Junge Mediziner schwer für Hausarztdienst zu begeistern

Hart. Knapp zweieinhalb Monate ist es her, dass Dr. Rudolf Tille in der Nacht von 30. auf 31.Dezember während des Bereitschaftsdienstes mit seinem Auto einen Unfall hatte (wir berichteten). Ein Ereignis, das ihn nicht nur verschärft über seine Profession, sondern auch über die vielen ungeklärten Fragen der künftigen Ausgestaltung des Bereitschaftsdienstes im Landkreis nachdenken ließ. Um über die aktuelle Situation und mögliche Lösungswege aufzuklären, referierte er am Montagabend in einer Veranstaltung von SPD/Die Unabhängigen in der Waldschenke über die Lage der Hausärzte in Garching.

 

NegativeEntwicklung"Eine gute ärztliche Versorgung ist die Voraussetzung dafür, wenn man auch noch seinen Lebensabend in der Gemeinde verbringen möchte", sagte Christian Mende, der die Veranstaltung moderierte. Dr. Rudolf Tille machte kein Geheimnis daraus, dass sich seit seiner Praxiseröffnung vor elf Jahren vieles ins Negative verändert habe: Gab es 2003 noch zwölf Ärzte im Bereitschaftsdienst, werden es dieses Jahr nur noch vier, zusammen mit Burgkirchen 14 sein. "Vor elf Jahren mussten während der Bereitschaft die Gebiete Engelsberg, Unterneukirchen, Hirten und Garching betreut werden, das war ein überschaubares Gebiet, auch wenn man häufiger Dienst hatte", sagte er. Seit dem Zusammenschluss mit dem Dienstgebiet Kirchweidach gehörten nun auch Emmerting, Mehring, Burgkirchen, Kirchweidach, Halsbach, Feichten und Tyrlaching dazu. "Da ist es keine Seltenheit, dass nachts 250 Kilometer gefahren werden. Nach einer anstrengenden Nacht geht es dann sofort wieder in die Praxis", erklärte Tille. Ein Zustand, der definitiv verändert werden müsse, um Unfälle zu vermeiden und ärztliche Fehler ausschließen zu können. "Ein übermüdeter Arzt hat einfach nicht die Konzentration wie ein ausgeschlafener", so der Referent.

Aus diesem Grund werde seit geraumer Zeit an mehreren Lösungsmodellen gearbeitet. Eine Möglichkeit wäre, den Landkreis in zwei Gebiete einzuteilen: Nord und Süd. Jedoch sträube sich vor allem Burghausen gegen diese Einteilung, da die Stadt mit ihren Hausärzten besonders gut aufgestellt sei und somit keine direkten Vorteile aus dem Zusammenschluss ziehen könnte. In den nächsten Tagen erwartet Dr. Tille eine Entscheidung von der Kassenärztlichen Vereinigung. Sollte ein Zusammenschluss mit Burghausen nicht zustande kommen, würde sich das Gebiet nur mit Altötting zusammenschließen und somit immerhin 25 anstatt 14 Ärzte an Bord haben. "Natürlich ist dann aber auch das Einsatzgebiet größer, man muss länger auf einen Arzt warten oder hat einen längeren Anfahrtsweg in die Praxis", sagte er und fügte hinzu: "Bei einem Zusammenschluss mit Burghausen wären rund 50 Ärzte mit an Bord. Die Dienste wären dann zwar intensiver, aber kürzer und die Ärzte natürlich wesentlich fitter."

Eine andere Variante, die aktuell heiß diskutiert werde, sei eine zentrale Praxis im Krankenhaus oder in dessen Nähe. Jedoch bringe dieses Modell nicht nur Vorteile mit sich: Die Ärzte müssten sich an eine fremde Praxis mit eigener Software, einem anderen Ordnungssystem und einem fremden Team gewöhnen, was viele ablehnten.

Die dritte, jedoch schwierigste Lösung wäre, mehr Ärzte für das Gemeindegebiet zu rekrutieren. Die Wurzeln dieses Problems reichten teilweise bis ins Studium. Knapp zwei Drittel der Absolventinnen seien weiblich. Sie könnten mit einem festen Angestelltenverhältnis in einem Krankenhaus leichter Familie und Beruf unter einen Hut bringen als als Hausärztin. Darüber hinaus seien Bereiche wie Chirurgie oder Neurologie auf den ersten Blick spannender: "Hier kann dem Student auch viel mehr gezeigt werden, er kann dort viel mehr erleben. Beim Hausarzt ist dies oft schwierig. Unsere Sprechstunden beruhen oft auf privaten Gesprächen und nicht jeder Patient möchte, dass der Student von seinen privaten Problemen erfährt, wodurch der angehende Arzt wiederum nichts lernen kann." Darüber hinaus sei der Titel des Allgemeinmediziners bei Weitem nicht so angesehen wie ein anderer Facharzttitel und würde auch häufig während des Studiums nicht so attraktiv angeboten.

Was kann dieGemeinde tun?Im Mittelpunkt der Diskussion stand, was die Gemeinden tun könnten, um den Ort für neue Ärzte attraktiver zu machen. Wichtig sei vor allem, dass es genügend Patienten gibt, so die Antwort. Eine Möglichkeit wäre auch, Räumlichkeiten oder Grundstücke zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen. Langfristig müsse jedoch der Bereitschaftsdienst umstrukturiert werden, denn junge Ärzte legten viel Wert auf Freizeit und Privatleben und wenn sie das nicht bekommen, würden sie ihre Berufslaufbahn anderswo einschlagen: im Ausland, in der Forschung, im Krankenhaus oder vor allem in Gemeinden und Städten, die ihnen attraktive Arbeitsmodelle bieten.
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